"Weihnachtsfeier" im KZ Kemna 1933

Evangelisch-lutherisches Gemeindeblatt vom 17.12.1933
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Zahlreiche Zeitungsartikel belegen, dass der Bevölkerung das KZ Kemna ein Begriff gewesen ist. Auch die Kirche wusste um das Konzentrationslager. Pfarrer der Deutschen Christen hatten die Seelsorge für die Häftlinge übernommen, es wurde sogar eine Weihnachtsfeier arrangiert. Dennoch schwieg die Kirche zu den schrecklichen Vorkommnissen im Lager.
In einem aufschlussreichen Kontrast zu dem kirchlichen Weihnachtsprogramm stehen die Aufzeichnungen von Fritz Brass über dieses unwirklich anmutende Ereignis. Er war beim Ankleben politischer Plakate verhaftet und im Oktober 1933 in das KZ Kemna, im Januar 1934 in die Moorlager gebracht worden. Unmittelbar nach der Entlassung aus den Moorlagern schrieb er seine Erlebnisse nieder. 1936 und 1944 folgten erneute Verhaftungen und Deportationen. Fritz Brass starb 1944 im KZ Mauthausen.
Fritz Brass in seinen Aufzeichnungen:
"Das Weihnachtsfest rückte näher und von Mitte Dezember an begannen die Entlassungen größeren Umfang anzunehmen. Auch mein Kamerad und Berufskollege Fritz Schäfer war unter den Glücklichen. Mir selbst blühte die Bestätigung meiner pessimistischen Vorahnung. Na, Not hab ich am Fest dank der treuen Sorge meiner Angehörigen nicht gelitten, eher im Gegenteil! Hatte doch auch unser Seelsorger, Pastor Altenpohl, (Gott lohn's ihm, denn ich kann's nicht) es sich nicht nehmen lassen, uns im Einvernehmen mit der Lagerleitung eine Weihnachtsfeier zu veranstalten, die ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde, - denn es war so ziemlich der größte Hohn, der sich denken läßt! Ich weiß zwar nicht, inwieweit meine moralische Verderbtheit Schuld daran ist, dass soviel eindringlich gezeigtes Wohlwollen so wenig Eindruck auf mich macht - ich glaube aber bestimmt, ein erheblicher Teil der Anwesenden fühlte ebenso wie ich - u. das waren bestimmt nicht die Schlechtesten!
Als Vorbereitung zur Feier wurde der Saal II größtenteils ausgeräumt, d. h. die Betten wurden an einer Wand aufeinandergetürmt. Dafür wurden Tische und Bänke in langen Reihen aneinandergerückt. Zwei ansehnliche Fichtenbäume wurden mit Kerzen geschmückt und erhöht aufgestellt. An der einen Stirnwand des Saales hatte man Platz für Musikanten gelassen, die uns die Feststimmung vermitteln sollten. Zwischen den beiden Lichterbäumen war ein Rednerpult aufge-stellt. Es waren noch so ungefähr 250 Häftlinge im Lager. Am Weihnachtsabend wurden wir "dienstlich" eingeladen, uns in den Festsaal zu begeben. Die Tische waren dicht mit Gaben belegt, für jeden Mann hatte man sowohl eine leibliche als auch eine geistige Gabe hingelegt. Einen Weihnachtsstollen, ein Paket Rauchtabak, teilweise eine Tonpfeife, dann auch ein kleines Buch, meist morali-sierenden Inhalts im Geiste der Sonntagsschule - u. auch ein gedrucktes Festprogramm! (...)


Programm der Weihnachtsfeier 1933
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Kurz vor Beginn der Feier traf auch die Musik ein, angeblich der Posaunenchor des Langerfelder Männer- und Jünglingvereins. (Mir stieg zwar sogleich der Gedanke an eine zivilisierte SA Kapelle auf.) - Ein Weihnachtsengel in Gestalt eines SA Mannes mit Karabiner bezog vor einem der Lichterbäume Posten u. die Sache konnte vor sich gehen. Einige altehrwürdige Weihnachtslieder wurden mit Gefühl gespielt. - Ich sah sogar Tränen fließen u. das bei einigen staatsgefährlichen Bösewichtern. Dann sprach Herr Pastor A. die Einleitungsworte. In der Folge wechselten dann gemeinsame Gesänge mit Ansprachen teils biblischen, teils allgemeinen Inhalts ab."
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