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 Das Hauptgebäude des früheren KZ, nach 1945
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Plan des KZ nach einer Zeichnung von Olaf Wunder
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Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 versuchten die Nationalsozialisten, die politischen Gegner "auszuschalten". Wie in fast allen Städten waren auch in Wuppertal die Gefängnisse sehr bald überfüllt. Der SA-Oberführer Willi Veller, der am 10. Juli 1933 als kommissarischer Polizeipräsident eingeführt worden war, beschloss daher, ein Konzentrationslager in dem leerstehenden Gebäude einer Putzwollfabrik in Kemna (zwischen den Ortsteilen Laaken und Beyenburg) einzurichten. Er arbeitete hierbei mit dem neuen Leiter der politischen Polizei, dem SA-Sturmbannführer Hans Pfeiffer, eng zusammen. Die gesamte Polizeigewalt in Wuppertal lag somit in den Händen der SA.

KZ Kemna von der Wupperseite aus gesehen, nach 1945
Das Konzentrationslager Kemna gehörte zu den sogenannten "wilden Konzentrationslagern", da Veller die staatliche Zustimmung zur Errichtung des Lagers nicht abgewartet und zudem entgegen der Anordnung des preußischen Innenministers die Wachmannschaften nicht aus Angehörigen der SS, sondern aus SA-Männern seines Vertrauens zusammengesetzt hatte.

Wachmannschaft des KZ Kemna, 1933
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Bergisch-Märkische Zeitung vom 30.08.1933
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Am 5. Juli kamen die ersten Häftlinge nach Kemna, wo sie von den SA-Wachmannschaften mit Schlägen und Tritten "in Empfang" genommen wurden. Bis auf wenige Ausnahmen handelte es sich in der Kemna um politische Gefangene. Sie wurden nicht nur aus Wuppertal, sondern aus dem gesamten Bergischen Land und den benachbarten Städten (u. a. Duisburg, Düsseldorf, Essen und Dortmund) dorthin gebracht.

Postkarte des damals 18jährigen KZ-Häftlings Karl Ibach an seine Eltern vom 14.10.1933
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 Erstausgabe der Aufzeich- nungen Karl Ibachs über das KZ Kemna, 1948
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Da die SA-Wachmannschaften und die Insassen sich vielfach von früheren Auseinandersetzungen her kannten, spielten nicht selten persönliche Rachegelüste bei den Misshandlungen eine wichtige Rolle. Mehr als 4.500 Häftlinge wurden während des halben Jahres, in dem dieses Lager bestand, misshandelt und gefoltert. Obwohl für maximal 200 bis 300 Personen vorgesehen, befanden sich dort zeitweise auf engstem Raum zusammengepfercht mehr als 1.000 Gefangene. Die Versorgung war dementsprechend menschenunwürdig.

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Bild links: Gefangene wurden tagelang in einem Verschlag unter einer Treppe eingesperrt, nach 1945 Bild rechts: Dachgeschoss des KZ-Hauptgebäudes, nach 1945
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Bergisch-Märkische Zeitung vom 24.12.1933 und vom 25.01.1934
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Die Putzwollfabrik lag in unmittelbarer Nähe der Stadt. Das Lager war von Spaziergängern leicht einzusehen. Es drangen daher bald Gerüchte über die schrecklichen Zustände in der Kemna an die Öffentlichkeit. Die Behörden versuchten, durch Verlegung von Schutzhäftlingen in andere Lager dem entgegenzuwirken. Die "leichteren Fälle" entließ der Polizeipräsident, um ihnen - wie es im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten hieß - Gelegenheit zur Wiedereingliederung in die "Volksgemeinschaft" zu geben. Auch Weihnachten 1933 kam es zu Entlassungen. Die letzten Häftlinge wurden vom Bahnhof Oberbarmen aus in andere Konzentrationslager im Emsland überführt. Am 19. Januar 1934 wurde das Konzentrationslager Kemna aufgelöst.
Aufgrund der in der Bevölkerung verbreiteten Gerüchte über Misshandlungen und Folterungen durch die Kemna-Wachmannschaften leitete die Staatsanwaltschaft Wuppertal ein Ermittlungsverfahren ein. Es kam jedoch nicht zu einer ordentlichen Gerichtsverhandlung. Der ermittelnde Staatsanwalt Gustav Winckler wurde vielmehr strafversetzt. Es hatten sich aber auch Parteidienststellen mit den Vorkommnissen in der Kemna beschäftigt. Diese Untersuchungen führten dazu, dass der inzwischen als Polizeipräsident abgesetzte Veller, der Lagerkommandant Alfred Hilgers und fünf weitere SA-Männer aus der Partei ausgeschlossen wurden. Die Betroffenen erhoben hiergegen Einspruch. In der Hauptverhandlung vor dem Obersten Parteigericht der NSDAP in München am 19. und 20. Februar 1935 wurden diese Parteiverbote zurückgenommen und die Beschuldigten lediglich verwarnt.
Die für die Verbrechen im KZ Kemna Verantwortlichen wurden erst nach dem Krieg in dem vielbeachteten "Kemna-Prozess", der vom 1. März bis zum 15. Mai 1948 dauerte, zur Rechenschaft gezogen. Staatsanwalt Winckler erhob unter Hinzuziehung der von ihm 1934 angelegten Akten Anklage gegen 30 Personen.
 Staatsanwalt Gustav Winckler als Ankläger beim Kemna-Prozess, 1948
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 Der ehemalige Lagerkommandant Alfred Hilgers (links) neben seinem damaligen Stellvertreter Erich Altwickler auf der Anklagebank, 1948
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Das Gericht verurteilte am 15. Mai 1948 den Lagerkommandanten zum Tode, vier Angeklagte zu lebenslänglichem Zuchthaus sowie zwölf weitere Angeklagte zu Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. Die Todesstrafe wurde nicht vollstreckt, sondern in eine Zuchthausstrafe umgewandelt. Nach wenigen Jahren waren auch die letzten Strafen zur Bewährung ausgesetzt. Alle Angeklagten befanden sich wieder auf freiem Fuß.
Erst 50 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen in der Kemna kam es zur Aufstellung eines Mahnmals, das im Rahmen eines Jugendwettbewerbs von Schülern des Gymnasiums Kothen entworfen und von Wuppertaler Bürgern und Jugendlichen durch Spenden und Mitarbeit errichtet wurde.
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