Wuppertal - Begegnungsstätte Alte Synagoge
Juden in Wuppertal
   
Die wichtigsten Daten aus der Chronik der Geschichte der Juden im Wuppertal
   
1691 Der erste nachweisbare Jude im Wuppertal, Isaak Meyer, erhält vom Kurfürsten Johann Wilhelm einen Geleitbrief, um sich in Elberfeld aufhalten zu können. Als 1701 seine Mutter stirbt, bemüht Meyer sich zunächst um einen Grabplatz auf den christlichen Friedhöfen, der ihm aber verweigert wird. Der Elberfelder Magistrat verkauft ihm schließlich ein Stück Land auf der Hardt. 1742 zieht Meyer aus dem Wuppertal weg.
1794 Auf Druck der Bleicherzunft (Garnnahrung) wird ein Erlaß von Kurfürst Karl Theodor herausgegegben, der Juden den Aufenthalt und die Niederlassung im Wuppertal verbietet.
1809 Es gibt 9 jüdische Familien in Elberfeld, die sich als private Gemeinschaft zusammenschließen.
1810 Jacob David Leudesdorff erwirbt das Grundstück (1137 qm) an der Weissenburgstraße für einen jüdischen Friedhof von Engelbert von der Heydt. 1867 wird das Grundstück erweitert. Auf diesem Friedhof werden später die Eltern und der Bruder von Else Lasker-Schüler bestattet. In der Pogromnacht 1938 wird er zerstört und anschließend als Schutthalde mißbraucht. 1974 wird er erneut geschändet, Grabsteine werden umgeworfen, Unrat abgelagert.
1824 Im Wuppertal und Umgebung leben insgesamt 335 Juden (Elberfeld 104, Barmen 24, Mettmann 50, Haan 7, Wülfrath 23, Velbert 16, Langenberg 52, Neviges 59).
1852 Am 29.1. konstituiert sich die Elberfelder-Barmer Synagogen-Gemeinde, zu der die Kreise Elberfeld und Lennep gehören.
1853 Der erste Elberfelder Rabbiner, Dr. Samuel Auerbach, tritt sein Amt an.
1855 Gründung des "Israelitischen Frauenvereins".
1857 Nach dem ersten Gemeindestatut heißt die jüdische Gemeinde im Wuppertal offiziell "Synagogen-Gemeinde Elberfeld-Barmen". Gründung des "Israelitischen Wohltätigkeitsvereins".
1857 Der Prediger Hermann Engelbert tritt sein Amt in der Elberfelder Gemeinde an.
1860 Erste Beschlußfassung zum Bau einer Synagoge. Die Gemeinde in Elberfeld ist auf 259 Personen angewachsen.
1865 Die Elberfelder SynagogeAm 15.9.1865 wird die Elberfelder Synagoge an der Genügsamkeitstraße von Rabbiner Dr. Levi Kleeberg eingeweiht.
1866 Rabbiner Dr. Zacharias Auerbach tritt sein Amt in Elberfeld an.
1869 Am 11.2. wird Else Lasker-Schüler in Elberfeld geboren.
1872 Auf Empfehlung des Rabbiners Dr. Zacharias Auerbach wird der jüdische Religionsunterricht im Lehrplan der städtischen höheren Schulen eingeführt.
1876 Einige orthodoxe Familien mieten sich einen Betsaal in der Luisenstraße.
1894 Gesuch der Barmer Juden um die Gründung einer selbständigen Gemeinde vom 31.1.1893 wird durch eine Verfügung der Königlichen Regierung in Düsseldorf am 3.3.1894 genehmigt.
1894 Eröffnung des jüdischen Friedhofs an der Hugostraße (1727 qm). In der Pogromnacht 1938 wird er zerstört, die Kapelle in Brand gesetzt. Noch 1990 und 1992 wird er geschändet.
1895 Die Barmer Gemeinde engagiert mit Dr. Carl Koch ihren ersten Rabbiner, der jedoch schon 1899 durch Dr. Victor Grabowski abgelöst wird.
1896 Eröffnung des Jüdischen Friedhofs am Weinberg (11979 qm). In der Pogromnacht wird die Kapelle mit Benzin übergossen und angezündet, die Grabstätten werden geschändet. Er wird bis heute von der jüdischen Gemeinde belegt.
1897 Die Barmer SynagogeFertigstellung der Barmer Synagoge in der Scheurenstraße nach Plänen des Architekten Levy.
1898 Hermann Zivi wird als Kantor nach Elberfeld berufen und arbeitet hier 30 Jahre. Gründung des Synagogenchorvereins. Weitere Vereinsgründungen sind (nicht alle in diesem Jahr): Literarischer Verein Lesegesellschaft, bergische Loge des Unabhängigen Ordens B'nei B'riss mit dem Wahlspruch "Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht", Jüdischer Jugendverein.
1907 Der erste bedeutende Rabbiner in Elberfeld, Dr. Zacharias Auerbach (1844 in Bonn-1927 Elberfeld) geht nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand. Am 6. September wird Rabbiner Dr. Joseph Norden in sein Amt eingeführt.
1928 Einstellung von Dr. Alfred Philipp als Jugendrabbiner in Elberfeld. In dieser Zeit wird Moses Findling Rabbiner der orthodoxen und Vorbeter der ostjüdischen Gemeinde in Elberfeld. Der Betraum der Ostjuden ist zunächst in der Hochstraße, später in der Luisenstraße, wo sich auch der Betraum der Orthodoxen befand. Diese Räume wurden in der Pogromnacht zwar demoliert, aber nicht angezündet. Die Torarollen und andere Kultgegenstände der Orthodoxen konnten in den Keller der Friedhofskapelle am Weinberg und später nach Ra'anana in Palästina gerettet werden.
1930 Die Wuppertaler jüdische Gemeinde zählt ca. 3000 Mitglieder, fast alle sind alt eingesessen, wohnten in allen Wohnvierteln. Alle Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen (Intellektuelle, Kaufleute, Handwerker) waren vertreten. Dr. Lothar Lubasch wurde der dritte Rabbiner in Barmen.
1933 7. März: Oswald Laufer, Angehöriger des "Reichsbanners", wird vor seinem Elternhaus in der Wilhelmstraße von einem SA-Mann erschossen.

1. April: Die Wuppertaler Presse muß auf Druck der NSDAP-Kreisleitung einen Boykottaufruf gegen alle jüdischen Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte veröffentlichen. Im Landgerichtsbezirk Wuppertal werden drei jüdische Assessoren, die kommissarisch richterliche Ämter bekleiden, suspendiert. Nur noch zwei jüdische Anwälte an Wuppertaler Gerichten sind zugelassen.

15. Mai: Der Elberfelder jüdische Zahnarzt Dr. Alfred Meyer wird in Düsseldorf von SA-Leuten ermordet, die Leiche in der Bever-Talsperre versenkt.

16. Juni: Die Volkszählung ergibt in Wuppertal einen jüdischen Bevölkerungsanteil von 2471 Personen, 0,6% der Gesamtbevölkerung.

5. Juli: Einlieferung der ersten Häftlinge in das von der SA errichtete Konzentrationslager Kemna, darunter zwei Juden aus Wuppertal und einer aus Solingen.
1935 1. April: Rabbiner Dr. Joseph Norden geht in den Ruhestand und zieht in seine Heimatstadt Hamburg. Später vertritt er den dort amtierenden Rabbiner, als dieser deportiert wird.

Ende Dezember: Die NSDAP-Kreisleitung Wuppertal gibt "nur für den Dienstgebrauch" ein Boykottheft über "Juden in Wuppertal" heraus. Es enthält ein alphabetisches Verzeichnis jüdischer Geschäfte, Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte in Wuppertal, Remscheid, Solingen und Niederberg.
1938 27. September: Die Wuppertaler Dichterin Else Lasker-Schüler, die 1933 in die Schweiz geflüchtet war, wird ausgebürgert.

28. Oktober: rund 200 Wuppertaler Juden polnischer oder ohne Staatsangehörigkeit werden nach Polen abgeschoben.

10. November: Die Synagogen in Elberfeld und Barmen werden durch Brandstiftung zerstört, die jüdischen Friedhöfe geschändet, Schaufenster eingeschlagen, Menschen mißhandelt und festgenommen.

11. November: 125 "arbeitsfähige" Juden werden in die Strafanstalt Bendahl eingeliefert und zwei Tage später nach Dachau deportiert, nach ca. vierwöchiger Haft wieder entlassen (nach Aldinger 600 Personen).
1939 30. April: Zwangsbildung von "Judenhäusern".

17. Mai: Die Volkszählung ergibt einen jüdischen Bevölkerungsanteil von 1093 (0,3% der Gesamtbevölkerung).
1941 26. Oktober: Erste Massendeportation von 201 Wuppertalern nach Litzmannstadt.

10. November: Zweite Massendeportation von 266 Juden aus Wuppertal, Remscheid, Velbert und Hattingen nach Minsk.
1942 21. April: Dritte Massendeportation von 64 Wuppertalern nach Izbica bei Lublin.

20. Juli: Vierte Massendeportation von 271 Juden aus Wuppertal, Remscheid, Solingen, Velbert, Neviges und Heiligenhaus, darunter die Bewohner des jüdischen Altersheims in der Friedrich-Ebert-Straße 73, nach Theresienstadt.
1944 17. September: Fünfte Massendeportation von 100 Wuppertalern nach Berlin, Lenne und Theresienstadt.
1945 Bis Ende 1945, Anfang 1946 sind etwa 150 Juden nach Wuppertal entweder zurückgekehrt oder neu nach Wuppertal gezogen.

Im Herbst 1945 gründet Gustav Brück die neue jüdische Gemeinde Wuppertal. Der Aufbau der Gemeinde wird im wesentlichen von Josef Heimann, Ernst Rosenberg, Paul Rosenthal und Heinz Bleicher unterstützt.
1955 Am 16. Oktober 1955 wurde ein Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedhof am Weinberg eingeweiht.
1962 An den Stellen, wo die am 10. November 1938 zerstörten Synagogen standen, wurde am 9. November 1962 je eine Bronzetafel angebracht.
1964 Drei Generationen in der jüdischen Kultusgemeinde heuteDie Räume Aue 82 werden als neues Gemeindezentrum eingeweiht. 1965 betrug die Mitgliederzahl 131 Personen, davon 102 in Wuppertal. Neun davon waren unter 21, 37 zwischen 21 und 50 und 85 über 50 Jahre alt.
1991 Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion vermehrte Einreise von jüdischen Zuwanderern. Seit Anfang der 90er Jahre sind bis September 1999 rund 1200 Personen aus der ehemaligen Sowjetunion zugewandert.
1994 Eröffnung der Gedenkstätte "Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal" auf dem Grundstück der früheren Elberfelder Synagoge.
1996 Gründung des "Freundeskreises Neue Synagoge e.V." zur Förderung des Synagogenbaus in Barmen.
1998 Erster symbolischer Spatenstich zum Neubau der Synagoge.
2002 Einweihung der Neuen Bergischen Synagoge in Wuppertal-Barmen8. Dezember: Einweihung der Neuen Bergischen Synagoge in Wuppertal-Barmen in Anwesenheit des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, des NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück, des Bundespräsidenten Johannes Rau und Israels Staatspräsident Moshe Katzav. Erstmals nimmt damit der oberste Vertreter des Staates Israel an einer Synagogeneinweihung auf deutschem Boden teil.

Kontakt | Webmaster | Impressum | Quellenangaben