Himmler selbst war seit seiner Jugend an Übersinnlichem interessiert und las reichlich esoterische und mythologische Literatur, die früh mit antisemitischen und völkischen Tendenzen verbunden war. Er glaubte z. B. an eine atlantische Urzivilisation, die er im Norden bei Grönland verortete. Nachfahren von Atlantis vermutete er in Tibet oder in Südamerika, weshalb er SS-Expeditionen dorthin förderte, um nach einem "nordischen Rassetypus" suchen zu lassen. Spuren seien auch in Deutschland in Form von "Megalith-Kultstätten" zu finden. Hier lassen sich Verbindungen zu den Ariosophen Guido von List oder Lanz von Liebenfels schlagen.
 Karl Maria Wiligut
| Zur Entwicklung eines gemeinsamen Korpsgeistes in der SS ließ Himmler den Totenkopfring als Ordenssymbol der SS entwerfen. Den Auftrag erhielt Karl Maria Wiligut (1866 - 1946), ein ehemaliger Oberst der österreichisch-ungarischen Armee, der 1925 wegen Geisteskrankheit entmündigt worden war. Nach seiner Flucht aus der Heilanstalt, lebte er seit 1933 als Privatgelehrter in München. Unter dem Decknamen "Weisthor" wurde er von Himmler in die SS aufgenommen und stieg bis zum SS-Brigadeführer und engsten weltanschaulichen Berater Himmlers auf. Himmler verehrte Weisthor, der glaubte, von dem germanischen Göttergeschlecht der Asen abzustammen und dem "Irminenglauben" huldigte. 1939 schied er aus der SS aus - offiziell aus Altersgründen, in Wirklichkeit wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit.
Wiligut/ Weisthor wurde Mentor des jungen Mythenforschers Otto Rahn (1904-1939). Nach seinem Geschichts- und Germanistikstudium galt Rahns Hauptinteresse den Parzivalsagen und Gralsmythen. Durchdrungen von der Suche nach dem Heiligen Gral und der Suche nach den spirituellen Wurzeln im mittelalterlichen Europa, unternahm er 1929 eine Reise nach Südfrankreich zur Katharer-Festung Montségur, in deren Nähe er den Gral vermutete. Rahn suchte "Erleuchtung", "Reinigung" und das "Licht der Erkenntnis".

Zeitungsbericht über Otto Rahn in der Westfälischen Landeszeitung "Rote Erde", 9. Januar 1938
| 1933 veröffentlichte er eine bahnbrechende Studie über den "Kreuzzug gegen den Gral", die ihm im Bereich der Templer- und Ketzerforschung und bei Himmler Aufmerksamkeit zu Teil werden ließ. Er trat 1936 in die SS ein und half Himmler bei dessen Ahnenforschung. Himmler adaptierte für die SS den Gral als heidnisches Mysterium und förderte Rahns Forschungen. Rahn hingegen konnte dem gesellschaftlichen Druck, der aufgrund seiner homosexuellen Neigung auf ihm lastete (z. B. wurde er von der SS-Führung "zur Abhärtung" als Wachposten im KZ eingesetzt), nicht standhalten. Er schied aus der SS aus und beging schließlich 1939 Selbstmord.
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