Im Jahr 1934 mietete Heinrich Himmler, Reichsführer SS, die Wewelsburg vom Kreis Büren für den symbolischen Mietpreis von einer Reichsmark jährlich an. Er suchte einen Ort für eine geplante "Reichsführerschule SS", in der eine einheitliche ideologische Ausrichtung des Führungskaders der Schutzstaffel gewährleistet werden sollte.
 Studierzimmer, ca. 1935
| Allerdings wurden die ursprünglichen Pläne des SS-Rasseamtes vom leitenden Architekten Hermann Bartels nicht realisiert, vielmehr verlagerte sich die Aufgabenstellung zugunsten einer pseudowissenschaftlichen Zweckforschung zur Untermauerung der SS-Rassenlehre. Der damit beauftragte Reichsarbeitsdienst baute keine Seminarräume, sondern u.a. kleine, eher zellenförmige "Studierzimmer" für einzelne Wissenschaftler.
Eine vom Burghauptmann Manfred von Knobelsdorff ausgesuchte Gruppe junger "ideologisch gefestigter" Wissenschaftler für "germanische Vor- und Frühgeschichte, Mittelalterliche Geschichte, Volkskunde und Sippenforschung" wurde für "Grundlagenforschung" im Sinne der SS-Ideologie eingestellt. Gleichzeitig arbeiteten dort Anhänger einer gewissen "SS-Esoterik", einer phantastischen Germanenmystik, die - gepaart mit pseudowissenschaftlicher Rassentheorie, Ahnenkult und Runenverehrung - als Extrakt eines zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreiteten deutsch-völkischen Gedankengutes entstanden war.
 Erster Entwurf für den Ausbau des Nordturms aus dem Jahr 1939
| Seit 1936 verdichteten sich Himmlers Vorstellungen, in der Wewelsburg nicht nur eine SS-Forschungsstätte einzurichten, sondern sie darüber hinaus zur repräsentativen und ideologischen Zentrale des SS-Ordens auszubauen. Der Nordturm sollte dabei im Mittelpunkt des Zentrums stehen. 1939 legte Hermann Bartels einen ersten Entwurf für die Nutzung des Nordturms vor. Seit diesem Zeitpunkt arbeiteten KZ-Häftlinge am Ausbau der Wewelsburg. Die beiden im Nordturm fast vollständig umgebauten Räume "SS-Obergruppenführersaal" und "Gruft" wurden bis zum Ende des Krieges nicht genutzt. Die überlieferten Quellen lassen auch keine Aussagen über die Art und Ausgestaltung vorgesehener Feiern zu.

Bauzeichnung aus dem Jahr 1944
| Bis 1944 plante der Architekt Bartels immer größere, gigantischere Bauprojekte in Wewelsburg, bei deren Realisierung schließlich das ganze Dorf umgesiedelt worden wäre. Mit verlockenden Umsiedlungsangeboten (z. B. nach Schlesien), aber auch Enteignungsandrohungen versuchte Himmler seinen Besitz im Dorf zu erweitern. Die Wewelsburg sollte umgeben werden von einer halbrunden, im Durchmesser über 1000 Meter breiten monumentalen Gebäudeanlage.
 Nordturm nach der Sprengung, 1945
| 1943 waren die Bauarbeiten jedoch bereits eingestellt worden. Keine einzige der für Himmler wesentlichen Baumaßnahmen wurden in Wewelsburg vollendet. Am 31. März 1945 ließ Himmler die Wewelsburg durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen Truppen erobern zu lassen, die zwei Tage später in Wewelsburg einmarschierten. Bis auf die beiden Räume im Nordturm brannte die Wewelsburg vollständig aus. |