Stukenbrock-Senne - Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K)
Geschichte des Stalag 326
   
Das Kriegsgefangenenmannschaftsstammlager (Stalag) 326 (VI K) im Wehrkreis VI Münster wurde Anfang Mai 1941 auf dem Truppenübungsplatz Senne eingerichtet. Als die ersten 2.000 Gefangenen am 10. Juli 1941 eintrafen, gab es anstelle von Baracken lediglich ein mit Stacheldraht umzäuntes Feld, so dass die Männer bis in den Spätherbst 1941 hinein unter freiem Himmel oder in Erdlöchern hausen mussten. Ab 1942 umfasste das Lager ein rechteckiges Areal von ca. 1.000 x 400 Metern, das von einer Hauptachse zweigeteilt wurde.

Luftaufnahme des Lagers, 13.05. 1944
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Luftaufnahme des Lagers, 13.05. 1944
(Vergrösserung: Lageplan des Stalag 326, Sommer 1944)

Wachturm mit Lagerumzäunung, Sommer 1941
Wachturm mit Lagerumzäunung, Sommer 1941

Die ersten Gefangenen, Sommer 1941
Die ersten Gefangenen, Sommer 1941

Bestandsliste des Stalag 326 vom 1. Januar 1942
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Bestandsliste des Stalag 326
vom 1. Januar 1942

Ursprünglich sollten die gefangenen Rotarmisten aus ideologischen Gründen von anderen Nationalitäten getrennt zur Arbeit eingesetzt werden. Die hohe Sterberate im Winter 1941/ 1942, Unterernährung und Krankheiten ließen das Vorhaben jedoch völlig fehlschlagen. Vom Stalag Senne ließen sich im Januar 1942 z. B. nur 922 von 3.333 Mann zum Arbeitseinsatz einteilen.

Im Rahmen einer Neuorganisation erhielt deshalb das Stalag 326 ab September 1942 wie alle anderen Stalags im Wehrkreis VI mit dem Land Lippe und dem Regierungsbezirk Minden einen eigenen Arbeitseinsatzbereich, in dem es für sämtliche Kriegsgefangene, also auch die anderer Nationalität, zuständig war. Dementsprechend erschienen in der Statistik neben den sowjetischen Gefangenen auch Franzosen, Serben, Belgier und Polen, ab 1943 auch italienische Militärinternierte. Die meisten Kriegsgefangenen lebten außerhalb des Lagers nahe den Arbeitsstätten in ihren Arbeitskommandos; im Lager selbst hielten sich nur diejenigen auf, die in der Umgebung arbeiteten, dazu Lagerhandwerker und Revierkranke.

Ein Arbeitskommando verlässt das Lager, 1944/ 1945
Ein Arbeitskommando verlässt das Lager, 1944/ 1945

Gefangene bei der Registrierung, 1941
Gefangene bei der Registrierung, 1941

Aufstellung der Durchgangstransporte für den Bergbau vom 20. September bis 1. Oktober 1942
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Aufstellung der Durchgangstransporte für den Bergbau vom 20. September bis 1. Oktober 1942

Zusätzlich erhielt das Lager auf Betreiben der Reichsvereinigung Kohle als ehemaliges "Russenlager" bezüglich der sowjetischen Kriegsgefangenen die Funktion eines zentralen Ausleselagers für den Ruhrbergbau. Nach einer oberflächlichen Musterung überstellte man die Gefangenen in das ausschließlich für den Bergbau zuständige Stalag VI A Hemer, das sie dann zu den Zechen weitertransportierte. Tausende dieser Männer kamen dort unter unmenschlichsten Arbeitsbedingungen ums Leben oder starben in den Lagerlazaretten an Tuberkulose oder Entkräftung.

Das Leben der Gefangenen wurde von verschiedenen Faktoren bestimmt:
  • Maßstab für die Behandlung der Gefangenen war nicht die Genfer Konvention von 1929, sondern die NS-Weltanschauung, nach der der sowjetische Soldat zu keiner Zeit als ,,Kamerad" anzusehen war. Willkürmaßnahmen von Seiten der Wachmannschaften, aber auch der Zivilbevölkerung, war dadurch Tür und Tor geöffnet.
  • Immer wieder suchten zudem Einsatzkommandos der Gestapo nach aus ideologischen Gründen "untragbaren" Gefangenen wie Kommissaren, Juden, Intelligenzlern usw., die sie ,,aussonderten" und in das KZ Buchenwald zur Exekution, ab Mitte 1942 z. T. auch zum Arbeitseinsatz, brachten. Bis Kriegsende wurden rund 4.600 Mann dorthin transportiert.

    Einlieferung von 21 sowjetischen Kriegsgefangenen in das KZ Buchenwald am 14.05. 1942
    Einlieferung von 21 sowjetischen Kriegsgefangenen
    in das KZ Buchenwald am 14.05. 1942

  • Da das 0KW für die sowjetischen Gefangenen von Anfang an unzureichende Verpflegungsrationen vorgesehen hatte, waren Hunger und Unterernährung allgegenwärtig.
Ab Herbst 1942 wurden Gefangene für den Bergbau zu Zehntausenden durch das Lager geschleust. Bis zur Befreiung wurde es von rund 300.000 Männern durchlaufen. Sie wurden teilweise in großen Zelten untergebracht. Unterbringung, Mangelernährung und körperliche Erschöpfung ließen die Todesrate rapide ansteigen: allein in den letzten drei Monaten des Jahres 1942 starben etwa 5000 Mann.

Ansicht des Lagers in Richtung Norden, 1942 - 1945
Ansicht des Lagers in Richtung Norden, 1942 - 1945

Während die westlichen Gefangenen gemäß der Genfer Konvention behandelt wurden und deren Leben daher verhältnismäßig erträglich war, gestaltete sich die Situation der als "slawische Untermenschen" eingeordneten Polen und Serben erheblich schlechter, was Behandlung und "Freiheiten" anging. Unter diesen standen, den Sowjetgefangenen durchaus vergleichbar, nur noch die italienischen Militärinternierten, denen man Treuebruch und Verrat am deutschen Volk vorwarf. Mit etwa 700 Toten hatte diese Gefangenengruppe dann auch die zweithöchste Zahl an Opfern zu beklagen.


Doppelter Stacheldrahtzaun im Lager
Doppelter Stacheldrahtzaun im Lager

Als am 2. April 1945 US-Truppen das Lager befreiten, fanden sie dort noch etwa 9.000 sowjetische Gefangene vor. Auf der Suche nach Nahrung, aber auch aus Rache plünderten viele von ihnen die umliegenden Bauernhöfe. Ein Sachverhalt, der der Bevölkerung stärker im Gedächtnis geblieben ist als die Zustände im Lager in den vier Jahren zuvor. Bis zum Sommer 1945 wurden die Gefangenen in die Sowjetunion zurückgeführt, dort aber in vielen Fällen als "Verräter" oder "Kollaborateure" verfolgt und gebrandmarkt.
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