Stukenbrock-Senne - Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K)
Entstehung
   
Schon drei Tage nach der Befreiung des Lagers am 2. April 1945 begannen Planungen für die Errichtung eines Denkmals auf dem Areal des rund 1½ Kilometer vom Lagergelände entfernten Kriegsgefangenenfriedhofs. Es konnte am 2. Mai 1945 eingeweiht werden. Bis zur endgültigen Auflösung des Lagers am 28. Juli 1945 besuchten mehr als 35.000 Menschen, Soldaten und ehemalige Kriegsgefangene den Friedhof und das Mahnmal, bevor sie in ihre Heimatländer zurückkehrten.

Kriegsgefangenenfriedhof, 1999
Kriegsgefangenenfriedhof, 1999

Das ehemalige Kriegsgefangenenlager diente nach dem Krieg zunächst als Internierungslager für führende Nationalsozialisten und ab 1948 als Flüchtlingslager. Daraus entwickelte sich in den folgenden Jahren das "Sozialwerk Stukenbrock" mit Schule, Krankenhaus und Kindergarten. Seit 1970 befindet sich auf dem ursprünglichen Lagergelände die Landespolizeischule Stukenbrock.

Ehemaliges Lagergelände, ca. 1950
Ehemaliges Lagergelände, ca. 1950

Luftaufnahme des Geländes, um 1960 Luftaufnahme des Geländes, um 1960

Im Jahr 1967 bildete sich der "Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock" zur Aufarbeitung der Geschichte des Kriegsgefangenenlagers, der zudem alljährlich am 1. September, dem Antikriegstag, eine Gedenkfeier auf dem Friedhof organisierte. Der Arbeitskreis bemühte sich vor allem um eine deutsch-sowjetische Völkerverständigung, was in der Epoche des Kalten Krieges einem Tabubruch gleichkam. Die Mitglieder des Arbeitskreises sahen sich daher häufig politischen Angriffen ausgesetzt.
 
Gedenkfeier am Antikriegstag 1970 vor dem Kriegsgefangenenfriedhof
Gedenkfeier am Antikriegstag 1970 vor dem Kriegsgefangenenfriedhof

Am Bahnhof Hövelhof konnte am 14. Oktober 1989 eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Massentransporte sowjetischer Kriegsgefangener angebracht werden. Sie mussten von hier aus den rund sieben Kilometer langen Weg ins Lager zu Fuß zurücklegen.

Im Jahr 1992 erschien eine, im Auftrag des Gemeinderates Schloß Holte - Stukenbrock erstellte, wissenschaftliche Publikation zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers von Karl Hüser und Reinhard Otto.

Vorstellung der wissenschaftlichen Studie beim damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, 1992
Vorstellung der wissenschaftlichen Studie beim damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, 1992

Um den Wunsch nach einer Dokumentationsstätte zu unterstreichen, gründete sich 1993 der "Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326". Das vorrangige Ziel bestand darin, in dem noch erhaltenen Arrestgebäude des Lagers eine Dokumentationsstätte einzurichten. Am 21. Juni 1996 konnte sie dank der finanziellen Unterstützung des Landes NRW, der Kommune Schloß Holte-Stukenbrock und der NRW-Stiftung eröffnet werden.

Umbauarbeiten im ehemaligen Arrestgebäude, 1996
Umbauarbeiten im ehemaligen Arrestgebäude, 1996

rechts:
Eröffnung der Dokumentationsstätte, 1996
Eröffnung der Dokumentationsstätte, 1996

Das Gebäude der Dokumentationsstätte weist einen Grundriss von 30 x 8 Metern auf und wurde 1942 als Arrestanstalt des Lagers erbaut. In den Nachkriegsjahren fand es Verwendung als Friseursalon, Lebensmittelladen und Waffenkammer.

Ehemaliges Arrestgebäude nach dem Umbau zum Lebensmittelladen, ca. 1950
Ehemaliges Arrestgebäude nach dem Umbau zum Lebensmittelladen, ca. 1950

In unmittelbarer Nähe blieb das Gebäude der Entlausung als weiteres bauliches Zeugnis des Kriegsgefangenenlagers erhalten.

Entlausungsgebäude, vor 1945
Entlausungsgebäude, vor 1945

Entlausungsgebäude, 1999
Entlausungsgebäude, 1999

Detailaufnahme des Entlausungsgebäudes, 1999
Detailaufnahme des Entlausungsgebäudes, 1999

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