Lemgo - Frenkel-Haus
Entstehung
   
Die Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte Lemgos in der NS-Zeit hat in den 1960er und 1970er Jahren immer wieder die lokale Öffentlichkeit bewegt. Im Mittelpunkt stand die Debatte über die Biographie und das Wirken des Lemgoer Bürgermeisters Wilhelm Gräfer (1885-1945).
Gräfer, von 1923 bis 1945 Lemgoer Bürgermeister, wollte im April 1945 den anrückenden Amerikanern die Stadt kampflos übergeben, um Opfer zu vermeiden. Nach seiner Rückkehr von den Verhandlungen wurde er verhaftet, nach einem Schnellverfahren vor einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und von SS-Männern und Soldaten in Bodenwerder hingerichtet. In der sehr kontrovers geführten Debatte der siebziger und achtziger Jahre ging es vor allem um die Rolle Wilhelm Gräfers als Bürgermeister in der NS-Zeit.


Projekt "Andere Stadtführung"

Vortragsreihe "Juden in Lemgo"

Erst in den achtziger Jahren wurde die Frage nach den Schicksalen der jüdischen Menschen in der NS-Zeit aufgeworfen. Im "Arbeitskreis Lemgo im Dritten Reich", der vom Lemgoer "Centrum für entwicklungsbezogene Bildungsarbeit" (CEBA) initiiert wurde, trafen sich ältere und jüngere Bürger zur gemeinsamen Erinnerungsarbeit. Ergebnis war u.a. das Projekt einer "anderen Stadtführung" (1985/86). Auch die städtische Kulturpolitik nahm sich des Themas an. Im Jahre 1986 fand in Lemgo die Veranstaltungsreihe "Juden in Lemgo- Vergessene Bürger?" statt. Für die Programmgestaltung hatten die Initiatoren um den Kulturdezernenten Franz-Josef Pröpper den Hamburger Schriftsteller und Künstler Arie W. Sternheim-Goral (1909-1996) gewinnen können. Ein wesentliches Ziel dieser Veranstaltungsreihe bestand darin, durch Vorträge, Konzerte und Lesungen der von Goral konstatierten "erschreckenden Unkenntnis" über jüdische Geschichte und jüdische Kultur entgegenzuwirken.


Karla Ravehs Erinnerungen

Im Jahre 1985 hatte die Lemgoer Lehrerin Hanne Pohlmann Briefe an Angehörige jüdischer Familien geschickt, deren Anschriften in der Stadtverwaltung vorhanden waren. Von Karla Raveh, die in Tivon (Israel) lebte, kam die Antwort: "Was mein Schicksal und das meiner Familie anbetrifft und soweit ich mich an andere (jüdische) Familien erinnere, bin ich gerne bereit, Sie meines besten Wissens zu informieren". Nach einigen Monaten erhielt Hanne Pohlmann ein maschinenschriftliches Manuskript, in dem Karla Raveh ihre Erinnerungen an die Kindheit und Jugend in Lemgo sowie an das Schicksal der Familie in der NS-Zeit festgehalten hatte. Im Jahr 1986 wurde das Manuskript unter dem Titel "Überleben. Der Leidensweg der jüdischen Familie Frenkel aus Lemgo" publiziert. Mit der Veröffentlichung der Erinnerungen wurde das Haus Echternstraße 70, in dem die Familie bis zur Deportation gelebt hatte, zu einem wichtigen Erinnerungsort im Bewusstsein der städtischen Öffentlichkeit.


Einweihung der Gedenkstätte am Ort der ehemaligen Synagoge, 1987


Plakat zur Einweihung der Synagogengedenkstätte, 1987
Im Jahre 1987 wurde am 7. November die "Mahn- und Gedenkstätte Synagoge Neue Straße" der Öffentlichkeit in Anwesenheit des Oberkantors der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Estrongo Nachama, und des Landesrabbiners Henry Brandt übergeben. Im Jahre 1988 wurde das Frenkel-Haus als Dokumentations- und Begegnungsstätte eingerichtet. Seit Eröffnung des Frenkel-Hauses haben zahlreiche Angehörige jüdischer Familien, deren Vorfahren in Lemgo und Lippe wohnten, das Haus besucht. Für viele von ihnen ist es ein Symbol und zugleich ein Garant dafür geworden, dass die Erinnerungsarbeit als dauerhaftes Projekt der städtischen Kultur- und Geschichtsarbeit etabliert worden ist.

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Übergabe des Frenkel-Hauses,
Lippische Landes-Zeitung,
10.11. 1988

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In Großmutters guter Stube, Allgemeine Jüdische
Wochenzeitung,
09.01.1997

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Besucher aus Israel,
Lippische Rundschau,
13.11.1995
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