Die Ausstellung vermittelt anhand von Bild-/Texttafeln einen Überblick über die Geschichte der Juden in der Stadt Lemgo. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit zwischen der Emanzipation Mitte des 19. Jahrhunderts und den Verfolgungsmaßnahmen in der NS-Zeit. Zur Ausstellung gehört eine kleine Sammlung von Judaica, die - wie zwei kleine Löwen und das Shofar - aus der Lemgoer Synagoge stammen und nach dem Krieg geborgen wurden, sowie von Erinnerungsobjekten aus dem Nachlass jüdischer Familien.
 Ausstellungsraum |  Vitrine mit Judaica |

Löwen aus der Lemgoer Synagoge

Verordnung betr. umherziehender Juden aus dem Jahr 1820 | Die ältesten schriftlichen Zeugnisse jüdischer Ansiedlung in Lemgo datieren aus dem 14. Jahrhundert. Aufgrund eines Privilegs, das im Jahre 1735 erneuert wurde, blieb die Zahl der Juden auf drei Familien beschränkt. Diese Niederlassungsbeschränkung auf drei Schutzjuden und ihre Angehörigen wurde bis zur Emanzipation der Juden im Fürstentum Lippe 1858 aufrecht erhalten.
 Anzeige in der "Lippischen Post" zur Synagogeneinweihung, 1883 | Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verstärkte sich der Zuzug jüdischer Männer, Frauen und Kinder in die Stadt Lemgo. Die Zuwanderer kamen überwiegend aus kleineren Gemeinden des Fürstentums Lippe sowie aus den benachbarten Kreisen der Provinz Westfalen. Ihren höchsten Stand erreichte die Gemeinde um 1900 mit ca. 110 Mitgliedern. Bis zum Jahre 1933 verringerte sich ihre Zahl vor allem durch Abwanderung auf etwa die Hälfte.
 Lemgoer Synagoge, 1930 |  Neuer jüdischer Friedhof, 1994 |
Im Jahre 1883 wurde die neuerbaute Synagoge eingeweiht. In den siebziger Jahren entstand ein neuer Friedhof in räumlicher Nachbarschaft zum christlichen Friedhof. Bis zum Jahre 1915 bestand eine jüdische Schule in der Stadt. Jüdische Vereine gab es in Lemgo nicht.
Die Gemeindemitglieder betätigten sich als Kaufleute, Unternehmer sowie Altwaren- und Produktenhändler. Am Vereinsleben der Stadt waren die meisten von ihnen aktiv beteiligt: im Jahre 1906 wurde Hugo Kabaker, ein jüdischer Unternehmer, zum Schützenkönig gewählt. Jüdische Honoratioren gehörten auch dem Stadtverordneten-Kollegium an. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es wenig offenen Antisemitismus. Dennoch mussten sich auch die Lemgoer Juden mit antijüdischen Vorbehalten und Vorurteilen auseinandersetzen.
 Lemgoer Damenkränzchen (2.v.r.: die jüdische Bankiersgattin Meier), um 1930
In der NS-Zeit zerbrach bis auf wenige Ausnahmen die christlich-jüdische Nachbarschaft. Zwar gab es Bürger, die jüdische Nachbarn und Freunde heimlich unterstützten, aber einen Schutz vor Verfolgung bot die Kleinstadt nicht.
 |  |  Beschluss zur Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger, 1935 |

 Brennende Synagoge am 10.11.1938 |
Eine Reihe von jüdischen Männern und Frauen verließen Lemgo in den Jahren 1933 bis 1938. Sie wanderten in die Großstädte ab, wo jüdische Vereine, Kultur- und Fürsorgeeinrichtungen Beschäftigung, Unterstützung und Ablenkung versprachen. Andere bemühten sich um die Emigration. Im Dezember 1941 und im Juli 1942 wurden die in Lemgo verbliebenen jüdischen Männer, Frauen und Kinder in das Ghetto Riga und das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.
 Wand mit Biographien |  Judenstern |
In der Ausstellung werden am Beispiel von drei Biographien Schicksale jüdischer Menschen und ihrer Familien dokumentiert. Mordechai (Herbert) Gumpel ging im Jahre 1936 nach Dänemark und emigrierte von dort aus 1938 nach Palästina. Die Familie Frenkel blieb als letzte vollständige Familie in der Stadt. Nur Karla Raveh und ihre Großmutter haben den Holocaust überlebt. Adolf Sternheim kam nach der Befreiung nach Lemgo zurück. Er war Mitbegründer der FDP und einer der wenigen Repräsentanten der jüdischen Gemeinde in der Nachkriegszeit.
 Rosalie Gumpel, um 1940 |  H. Gumpel auf einem dänischen Bauernhof, 1938 |
Das Frenkel-Haus erfüllt nicht die Aufgabe eines jüdischen Museums, sondern ist eine Dokumentations- und Begegnungsstätte. In dem früheren Wohnhaus der jüdischen Familie Frenkel wird ein Überblick über die Geschichte der Juden in einer nordwestdeutschen Kleinstadt vermittelt. Die besondere Bedeutung des Frenkel-Hauses liegt darin, dass das Haus auf Grund des Engagements von Karla Raveh zu einem Ort der Begegnung und des Gesprächs geworden ist.
 |  | | Schülerarbeiten im Flur des Frenkel-Hauses |
Das Haus ist ein Erinnerungsort, der das Entstehen der jüdisch-christlichen Nachbarschaft, aber auch ihr rasches Zerbrechen unter dem Druck der NS-Verfolgung verdeutlicht. Es erinnert an die jüdische Familie Frenkel, die das Haus erbaute, mit Leben erfüllte und es im Juli 1942 verlassen musste. Es erinnert an die Nachbarn 
 Frenkel-Haus, 2001 | und Mitbürger und ihr Verhalten in der Zeit der Verfolgung, an Beispiele von Solidarität, aber auch an Teilnahmslosigkeit, an antijüdische Vorurteile bis hin zur Gewalttätigkeit in der sog. Reichspogromnacht sowie an den Eigennutz, wie er in der sog. Arisierung zum Ausdruck kam. Schließlich aber ist das Haus seit mehr als zehn Jahren auch ein Beispiel dafür, wie die Erinnerungsarbeit die Sprachlosigkeit und das Verdrängen überwinden und zu einer veränderten Gesprächskultur beitragen kann.
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