Krefeld - Villa Merländer
Heinrich Campendonk
   
In einem Raum der Villa Merländer befinden sich zwei Wandbilder des Malers Heinrich Campendonk ("Katzen" und "Harlekin"). Sie wurden 1925 auf den trockenen Putz der Wände gemalt und haben die Zeiten - trotz einiger Beschädigungen - fast unversehrt überstanden. Die Gemälde wurden 1997/98 von dem Kölner Restaurator Horst Hahn wiederhergestellt. Heute sind sie die einzigen sichtbaren Wandbilder des expressionistischen Künstlers, dessen Werk durch die nationalsozialistische Verfolgung stark gelitten hat. Viele Arbeiten sind zerstört worden oder verschollen.

Heinrich Campendonk in der Gruppe der Blauen Reiter.
Heinrich Campendonk (hinten rechts mit "Künstlerbart"), der jüngste
in der Gruppe der Blauen Reiter.
©VG Bild-Kunst, Bonn 1999

Heinrich Campendonk wurde am 3. November 1889 in Krefeld geboren. An der damals sehr fortschrittlichen Kunstgewerbeschule erhielt er eine künstlerische Ausbildung. 1911 knüpfte Heinrich Campendonk Kontakte zu Mitgliedern der Neuen Künstlervereinigung in München. Mit Unterstützung von Wassily Kandinsky und Franz Marc fand Heinrich Campendonk Anschluss an die Gruppe, die unter dem Namen "Der blaue Reiter" bekannt wurde. Er nahm an den beiden Ausstellungen 1911 und 1912 teil.

Von 1923 bis 1933 lebte Heinrich Campendonk im Rheinland. Als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf spezialisierte er sich auf Glasmalerei. Nach der Machtergreifung wurde er auf der Grundlage des Gesetzes zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" entlassen. 1934 verliess Heinrich Campendonk Deutschland. Die Diffamierung seiner Bilder unter dem Schlagwort "Entartete Kunst" erlebte er aus dem Exil in Amsterdam. In der Münchener Ausstellung im Jahre 1937 war er mit sechs Arbeiten vertreten.

Nach dem Krieg kehrte Heinrich Campendonk nicht nach Deutschland zurück. Als langjähriger Lehrer an der Reichsakademie in den Niederlanden hochgeehrt, starb er am 3. Mai 1957 in Amsterdam.

Bild Katzentiere
Katzentiere
In der Mitte des Wandgemäldes auf der linken Seite sind drei Wildkatzen zu erkennen. Sie erinnern an einen Gepard, einen Tiger und einen Leoparden. Tiere hat Heinrich Campendonk immer wieder gemalt. Fische, Pferde, Kühe und Katzen gehörten zu seinen Lieblingsmotiven. Auch das Plakative, das sich nicht an überflüssigen Details aufhält, ist typisch für Campendonk.
©VG Bild-Kunst, Bonn 1999


Bild Harlekin
Harlekin
Den Auftakt des rechten Wandbildes macht ein Harlekin. Harlekine, Clowns und Pierrots hat Heinrich Campendonk immer wieder gemalt. Dieser hier steht auf den Händen. Sein leicht schielender Blick ist in die Ferne gerichtet. Der Mund zeigt Lustlosigkeit, die geschminkten Lippen ziehen die Mundwinkel nach unten: der Clown ist gelangweilt und hat schlechte Laune. Der zur Schau getragene Missmut steht in Kontrast zum heiteren Eindruck seiner bunten Kleidung, dem kleinen Glöckchen am Kragen und der ausladenden Pfauenfeder an der schwarzen Samtkappe. Vielleicht hat der Clown Züge eines Selbstbildnisses: 1924/25 ging es Heinrich Campendonk finanziell nicht gut. Er hatte keine regelmäßigen Einnahmen und musste alle möglichen Aufträge annehmen, um Geld für sich und seine Familie zu verdienen - egal ob er als Künstler nun Lust darauf hatte oder nicht.
©VG Bild-Kunst, Bonn 2007
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