Issum - Jüdisches Bethaus
Beschreibung
   
Ehemalige Synagoge
Ehemalige Synagoge

Versteckt in einem schmalen Gäßchen an der Kappellener Straße befindet sich die Issumer Synagoge. Gleichsam als steinerner Fingerzeig erinnert sie an die Zeit, als in vielen Dörfern und Städten des Niederrheins lebendige jüdische Gemeinden existierten. In ihrer unauffälligen Gestalt präsentiert sie überdies das Lebensgefühl des Landjudentums. Die Synagoge wurde durch ein Schulhaus zum Gemeindezentrum aufgewertet. Das Schulhaus war in Lehrerwohnung und Klassenzimmer unterteilt und weist noch heute als Besonderheit eine Mikwe (Kultbad) im Keller auf.

Unter dem Eindruck der Diskriminierungen durch die Nationalsozialisten verkaufte die Synagogengemeinde Geldern im Jahr 1935 das Gebäude an einen Privatmann. Sie überstand die Zerstörungen der Pogromnacht vom 9. November 1938, was auf den frühzeitigen Besitzwechsel und die darauffolgende profane Nutzung zurückgeführt werden kann, und ist heute die einzige erhaltene ehemalige Dorfsynagoge am unteren Niederrhein.

Blick in die ehemalige Synagoge
Blick in die ehemalige Synagoge

Nach ihrer "Wiederentdeckung" im Jahr 1984 erwarb die Gemeinde Issum den Gebäudekomplex und richtete den Synagogenraum als Gedenkstätte für die ehemaligen jüdischen Bürger Issums und des umliegendes Gebietes ein. Soweit möglich und bautechnisch sinnvoll, bemühte man sich um die Wiederherstellung des ursprünglichen Aussehens, so daß der Raum noch heute seinen Charakter als religiöser Mittelpunkt einer kleinen, bescheidenen Dorfgemeinde behalten hat.

Frauenempore in der ehemaligen Synagoge
Frauenempore in der ehemaligen Synagoge

Im Mai 1990 konnte die Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben werden. Unter der Frauenempore wurden Fotos und biographische Daten der aus Issum deportierten und ermordeten Juden angebracht. Im Klassenzimmer des Schulhauses finden Besucher eine Dokumentation zur Geschichte der Juden in Issum und Geldern sowie eine Reliefkarte, die in Symbolen das ehemals reiche jüdische Leben am Niederrhein veranschaulichen soll. Im Obergeschoß des Schulhauses zeigt eine kleine Ausstellung jüdische Kult- und Gebrauchsgegenstände.

Der 1838 angelegt jüdische Friedhof von Issum liegt zwei Kilometer nordöstlich des Gemeindezentrums am Südhang der Bönninghardt. Das Grundstück wird heute von der Gemeinde gepflegt. Die Grabsteine sind in den letzten Jahren stark verwittert. Bilder in den Räumen des Schulhauses geben den besseren Zustand der Steine in früheren Jahren wieder.
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