Düsseldorf - Mahn- und Gedenkstätte
Ausstellung
   
Dauerausstellung
"Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933 - 1945"


Skulptur der Zeitzeugin Maria Wachter
Skulptur der Zeitzeugin
Maria Wachter
Im Eingangsbereich der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in den Räumen des ehemaligen Polizeipräsidiums auf der Mühlenstraße steht eine von Schülerinnen und Schülern gestaltete Skulptur der Düsseldorferin Maria Wachter, die als junge Frau im kommunistischen Widerstand aktiv war. Die Opfer und die überlebenden Verfolgten und Widerstandskämpfer stehen im Mittelpunkt des Gedenkens der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.

Symbolische Aktensäule
Symbolische Aktensäule

Fotos von jubelnden Düsseldorfern, Bilder der Verfolgung und Zerstörung sowie Tafeln zu Aspekten nationalsozialistischer Herrschaft informieren im Eingangsbereich über den Hintergrund der Nazi-Herrschaft. Eine Aktensäule weist auf die Rolle der Bürokratie im nationalsozialistischen Verfolgungssystem hin: Dokumente wie Vernehmungsprotokolle der Gestapo (Geheimen Staatspolizei) oder "Schutzhaftbefehle", die zwar in bürokratisch-korrekter Form geführt wurden, aber unter Umständen von Gewalt und Terror zustande gekommen sind. Ein Zusammenschnitt aus Zeitzeugeninterviews dient als Einführungsfilm in die Ausstellung. Den Besuchern stehen außerdem die ausführlichen Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zur Verfügung.
Filmsequenz abspielenAusschnitt aus einem Interview mit dem Zeitzeugen Hans Joachim Baum
1:03 min / 2.5 mb

Die Dauerausstellung "Verfolgung und Widerstand in Düsseldorf 1933 - 1945" folgt einem entscheidenden Unterschied: Wenngleich im engsten Rahmen des terroristischen Systems, hatten die aus religiösen oder politischen Gründen Verfolgten die Wahl zu widerstehen oder sich anzupassen. Den aufgrund der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus Verfolgten wurde hingegen kein Anpassungsangebot gemacht. Sie hatten in der Regel keine Chance, dem Terror und den Morden zu entgehen. Diesen Unterschied zeichnet die Ausstellung nach. Sie gliedert sich in folgende Kapitel:

Büste Adolf Zürndorfers
Portraitbüste Adolf Zürndorfers (1874-1943), gestaltet vom Düsseldorfer jüdischen Bildhauer Leopold Fleischhacker (1882-1946), einem bedeutenden Bildhauer jüdischer Sepulkralskulpturen (Nachguss)
Ein Leittext führt in das jeweilige Thema ein. Einige wenige Gegenstände wie Fahnen, eine Schreibmaschine, zwei Koffer, das Modell eines russischen Kriegsgefangenenlagers, ein Namensband, der Nachguss einer Totenmaske und eine Portraitbüste geben Aufschluss über den Charakter des Widerstandes und der Verfolgung. So ist beispielsweise die auf einer Prozession getragene Fahne mit dem Christkönigzeichen für Katholiken Ausdruck ihres Bekenntnisses, der von einem Häftling geschnitzte Kopf eines Moorsoldaten ein Ausdruck des Widerstandes in den frühen Konzentrationslagern im Emsland, in die allein aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf in den ersten Monaten des Jahres 1933 mehr als 2.000 Männer verschleppt wurden.

Remington-Noiseless Schreibmaschine
Remington-Noiseless Schreibmaschine
Der in Gestapo-Akten immer wieder erwähnte Remington-Noiseless Schreibmaschinen-Typ und die auf einem Handkarren stehende Abzugsmaschine verweisen auf die lebenswichtige Geheimhaltung beim Herstellen illegaler anti-nationalsozialistischer Schriften. Falsche Ausweise und Koffer thematisieren Untertauchen und Flucht.

Neben den einführenden Leittexten und den wenigen Gegenständen wird jedes Thema der Ausstellung auf Düsseldorf bezogen und auf biografische Beispiele hin konkretisiert. Texte auf Folien kommentieren die einzelnen Bereiche der Ausstellung in Form von Zitaten von Düsseldorfs großem Dichter Heinrich Heine und in Kurzdarstellungen zur Stellung der jeweiligen Gruppe zu den Juden. Auf ein erstes Zitat Heines "stößt" der Besucher beim Gang durch die Ausstellung: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen." Im Hintergrund dieses Zitats, am Ende eines Flurs, ist ein Gemälde des israelischen Malers Youval Yariv aus dem Jahr 1997 zu sehen: Darauf ist ein Portrait Heinrich Heines auf dem Hintergrund einer Strichliste zu sehen, wie sie in der Akte über die Deportation rheinischer Juden nach Riga vom 11. Dezember 1941 zu finden ist: Aus Namen machten die Nazis und ihre Helfer Striche und Nummern.

Youval Yariv: Heinrich Heine (1997), Öl auf Leinwand
Youval Yariv: Heinrich Heine (1997), Öl auf Leinwand

Raum für die Düsseldorfer Juden Raum für die Düsseldorfer Juden



Das im Raum zum Gedenken an die Düsseldorfer Juden angebrachte Band mit den Namen von 2.213 ermordeter Düsseldorfer, angereichert um Portraitfotos auf einem Vorhang und zwei Metallalben mit Familienfotos, hebt die Anonymisierung durch die NS-Bürokratie wieder auf.

Das Namensband basiert auf den von der Düsseldorfer Historikerin Dr. Barbara Suchy erarbeiteten Daten, die auch in drei von Schülerinnen und Schülern einer Düsseldorfer Schule handschriftlich gefertigten Gedenkbüchern Eingang fanden.

Gedenkbuch für die Düsseldorfer Juden Gedenkbuch für die Düsseldorfer Juden

Ein Original des Gedenkbuches hat seinen Platz in der Ausstellung der Düsseldorfer Mahn- und Gedenk- stätte, ein weiteres wurde 1988 an die israelische Gedenkstätte Yad Vashem abgegeben.


Julo Levin
Im Ausstellungsraum zur Geschichte der Düsseldorfer Juden sind über das neue Medium der CD-ROM Informationen zu jüdischen Kindern und Lehrern an der Düsseldorfer jüdischen Schule zu finden.

rechts:
Nach dem Malverbot war der Künstler Julo Levin (1901-1943) als Zeichenlehrer an den jüdischen Schulen in Düsseldorf und Berlin tätig. 1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 Filmsequenz abspielenVideosequenz zum Leben
von Julo Levin

1:06 min / 6.1 mb

Skulptur
Skulptur "Lebensbaum".
Die Skulptur wurde von 5 Schülerinnen als Rundumplastik in Ton gearbeitet und am 27. Januar 2000 eingeweiht.
Hof und Keller der Gedenkstätte gehören ebenfalls zur Ausstellung: Für den Hof gestalteten Schülerinnen einer Kunst-Arbeitsgemeinschaft eine Plastik mit dem Titel "Lebensbaum", und im Keller, der selbst Zeugnis des Krieges ist, informiert eine Ausstellungstafel im Eingangsbereich über die letzten Kriegswochen und -tage in Düsseldorf. Reste der Luftschutzeinrichtungen, die den Keller mit seinen Stahltüren und Inschriften wie "Gasschleuse", "Notausstieg" prägen, finden sich in den hinteren, tiefergelegenen, feuchten und dunklen Räumen. Im letzten Raum des Luftschutzkellers steht eine Skulptur des Darmstädter Bildhauers Thomas Duttenhoefer mit dem Titel "Opfer".

Skulptur
Skulptur "Opfer"

Der Versuch, mit der Ausstellung aller Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, bleibt unwillkürlich kursorisch. Deswegen werden fortlaufend Aspekte der Ausstellung durch Veranstaltungen und Sonderausstellungen ergänzt, die durch zusätzliche Publikationen, Medien und Materialien zugänglich sind. Beispielsweise ist in der Ausstellung auch der Film "Heines Geschwister. Stationen jüdischen Lebens in Düsseldorf" zu sehen, der 1997 anläßlich des 200. Geburtstages des Düsseldorfer Dichters Heinrich Heine erstellt wurde.

(K.G.)
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