Als am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und die Machtübernahme der Nationalsozialisten begann, ging man in den Reihen der SPD, vor allem in der Führungsspitze, von einem vorübergehenden Phänomen aus. Man vertraute zu sehr auf die Prinzipien der Legalität und des Parlamentarismus, um die vom Nationalsozialismus ausgehende Gefahr in ihrer gesamten Tragweite abschätzen zu können. Obwohl Teile der Parteibasis eine aktive und militante Opposition befürworteten, trat man der NSDAP und ihren Anhängern nur auf streng legalem Wege entgegen. Nach der Einschränkung der Grundrechte durch die "Brandverordnung" und der Verschmelzung der Gewalten durch das "Ermächtigungsgesetz", dem die SPD als einzige der anwesenden Reichstagsfraktionen geschlossen die Zustimmung verweigert hatte, traf die Verfolgung durch die Nationalsozialisten auch die Sozialdemokraten, zunächst deren führende Repräsentanten. Man könne den Sozialdemokraten zwar ihr Leben, aber nicht ihre Ehre nehmen, so begründete der SPD-Fraktionsvorsitzende Otto Wels die Ablehnung des "Ermächtigungsgesetzes" am 23. März 1933 durch seine Fraktion.
 Hissen der Hakenkreuzfahne am Dortmunder Rathaus am 8. März 1933
Sowohl das Leben als auch die Ehre der Sozialdemokraten waren in den folgenden Jahren Ziel des NS-Verfolgungs- und Unterdrückungsapparates. Dennoch formierte sich Widerstand aus den Reihen der Sozialdemokratie. Nachdem die SPD im Juni 1933 verboten worden war, bildete sich die Exilorganisation SoPaDe, die in Wort und Schrift gegen den Nationalsozialismus Stellung bezog. Da man in der SPD nicht auf die Illegalität vorbereitet gewesen war, gestaltete sich der Aufbau einer reichsweiten Widerstandsorganisation sehr schwierig und blieb Stückwerk. Der sozialdemokratische Widerstand blieb unsystematisch und organisatorisch auf Kleingruppen beschränkt, die jedoch gerade wegen der fehlenden Koordination seltener durch die Gestapo aufgedeckt wurden als KPD-Widerstandszellen, und so langfristig und effektiv arbeiten konnten.
 Massenkundgebung der bereits illegalisierten KPD auf dem Viehmarkt in Dortmund, Januar 1933
In Dortmund als einer Hochburg der Arbeiterbewegung konnte der sozialdemokratische Widerstand auf eine weitverzweigte soziale Basis zurückgreifen. Zu gemeinsamen Aktionen mit der KPD kam es nur selten: Zu groß war die Gegnerschaft der beiden Arbeiterparteien, die darin gipfelte, dass die KPD auch nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten noch an der als "Sozialfaschismus" verunglimpften Sozialdemokratie als Hauptfeind festhielt. In den Vereinen des Arbeitermilieus waren sozialdemokratische Werte und Traditionen verwurzelt, so dass in Dortmund aus den Kreisen der Arbeitersportler eine sehr aktive Widerstandsgruppe erwuchs, die erst 1940 zerschlagen wurde. Die Jugendorganisation SAJ drängte bereits früh auf die Errichtung einer illegalen Widerstandsorganisation in Dortmund, die mit Emigranten in den Niederlanden in Kontakt trat. In Tarnschriften wurden Aufrufe und Mitteilungen der SoPaDe verbreitet, man stellte Flugblätter her, wertete ausländische Rundfunknachrichten aus und verbreitete die daraus gewonnenen Informationen. Wurde ein widerständiger Sozialdemokrat gefasst, bedeutete dies Folter, Zuchthaus, Konzentrationslager und oft auch Tod.

Die Welle der Verhaftungen oppositioneller Demokraten beginnt
 Der Reichstagsabgeordnete Fritz Henßler in Berlin, 1930
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Das Spektrum von Widerstand und Verfolgung der Sozialdemokratie in Dortmund wird deutlich an der Person Fritz Henßlers (1886-1953), der jahrzehntelang die führende Figur der SPD in Dortmund war. Der Reichstagsabgeordnete Fritz Henßler vertraute zunächst darauf, dass sich die Nationalsozialisten an die Gesetze halten würden. Jedoch bereits Anfang April 1933 nahm man ihn und weitere führende Repräsentanten der Dortmunder SPD in der Steinwache für einige Tage in "Schutzhaft" und als wenig später die Gewerkschaften zerschlagen und die Parteien verboten wurden, dürften Henßlers Illusionen über die NS-Herrschaftsmethoden eine entscheidende Wendung genommen haben. Nach dem SPD-Verbot vom 22. Juni 1933 gerieten Henßler und sechs weitere Führungspersönlichkeiten der Dortmunder Sozialdemokratie abermals als Häftlinge in die Steinwache. Nachdem er am 5. September 1933 nach zehnwöchiger Haft entlassen worden war, knüpfte er Kontakte zu anderen Vertretern der Sozialdemokratie, die mit der niederländischen Exilorganisation Verbindungen hatten. Da er sich sicher sein konnte, von der Gestapo überwacht zu werden, waren die Widerstandsaktivitäten verhalten und vorsichtig: Henßler hatte eher eine beratende Funktion inne und war aufgrund seiner akuten Gefährdung nicht das politische Zentrum des Widerstands. Trotz seiner Zurückhaltung wurde er im April 1936 verhaftet und in der Steinwache brutal verhört. Nach 12-monatiger Untersuchungshaft in der Steinwache und im Dortmunder Gerichtsgefängnis überstellte man Fritz Henßler dem Oberlandesgericht Hamm, das ihn zu einem Jahr Gefängnis wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien verurteilte. In seinem Schlusswort vor diesem Gericht sagte er: "Ich war und bin demokratischer Sozialist in der festen Überzeugung, dass letztenendes jede Gewalt-Politik durch sich selbst gestraft wird und an sich selbst zugrunde geht." Trotz der Verbüßung der Strafe durch die Dauer der Untersuchungshaft lieferte man Henßler abermals in die Steinwache und von dort aus am 7. Juni 1937 in das Konzentrationslager Sachsenhausen ein.
 Häftlingszählappell im KZ Sachsenhausen
 Wachturm und Stacheldrahtzaun im KZ Sachenhausen
Seine Erfahrungen im Lager, über die er nie gesprochen hat, brachte er in den Jahren 1945 und 1946 zu Papier, veröffentlichte sie jedoch nicht. Erst 1991 wurden diese Schriften aus seinem Nachlass zugänglich. Henßler rechnet darin mit den SS-Folterknechten ab. Seine Schilderungen der Zustände in Sachsenhausen, der Grausamkeiten und Folterungen stehen noch direkt unter dem Eindruck des Erlebten und sind in ihrer Authenzität erschütternd. Vor allem die Beschreibung des Todesmarsches, zu dem die Lager-SS die 30.000 Häftlinge 1945 zwang und auf dem Henßler selbst dem Genickschuss der Exekutionskommandos, denen 60.00 Häftlinge zum Opfer fielen, nur knapp entronnen ist, öffnet die Augen für die unbeschreibliche Intensität des nationalsozialistischen Terrors. Am 2. Mai 1945, nach 8 Jahren KZ-Haft, erlebte er die Befreiung vom Nationalsozialismus in der Nähe von Schwerin. Nach Dortmund zurückgekehrt, physisch und psychisch auf das äußerste belastet, widmete er sich sofort mit ganzer Kraft dem demokratischen Wiederaufbau. Als Dortmunder Oberbürgermeister, Landtags- und Bundestagsabgeordneter verstarb er am 4. Dezember 1953 an den Folgen der KZ-Haft.

Erlaubnis der Militärregierung vom 8. November 1945 zur Gründung der SPD in Dortmund
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Flugblatt der SPD zur ersten Stadtverordnetenwahl nach Kriegsende am 13. Oktober 1946
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Oberbürgermeister Henßler im Gespräch mit Jugendlichen
Ebenso wie Fritz Henßler erging es Tausenden von Sozialdemokraten, die sich in Dortmund und Deutschland gegen ein menschenverachtendes Regime wehrten. Ihr Wirken wird in der Mahn- und Gedenkstätte Dortmund gewürdigt und dokumentiert. |