Dortmund - Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
NS-Willkürjustiz in Dortmund
   
Hissung der Hakenkreuzfahne am Dortmunder Landgericht am 8. März 1933
Hissung der Hakenkreuzfahne am Dortmunder Landgericht, 8. März 1933
Zwar war die deutsche Justiz mehrheitlich in ihrer national-konservativen Gesinnung den autoritären Vorstellungen der Nationalsozialisten durchaus nahestehend, wurde jedoch von der NSDAP mit Vorbehalten betrachtet, da sie in ihrem Festhalten an gesetzlichen Verfahren und Normen nicht dem NS-Maßnahmenstaat entsprach. Diese Diskrepanz versuchten Richter und Staatsanwälte durch vorauseilenden Gehorsam und harte Rechtssprechung zu überbrücken. Die Justiz war einer der ersten Bereiche, der, unter tätiger Mithilfe seiner "arischen" Angehörigen, von Juden gesäubert wurde. Der Justizapparat wurde an entscheidenden Stellen mit überzeugten Nationalsozialisten besetzt und in eigens eingerichteten Sondergerichten wurde nach politischen Vorgaben gerichtet.

Dr. Arnold Buchthal (1900 - 1965)
Dr. Arnold Buchthal (1900 - 1965) wurde 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft als Amts- und Landgerichtsrat entlassen.

Entlassungsschreiben Dr. Buchthals vom 7. Juli 1933
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Entlassungsschreiben Dr. Buchthals
vom 7. Juli 1933
Das Dortmunder Sondergericht wurde im Mai 1933 eingerichtet und fällte sein erstes Todesurteil im Dezember desselben Jahres. Vor allem während des Krieges, als Delikte wie "Diebstahl" und "Plünderung", aber auch "Arbeitsverweigerung" oder "Abhören von Feindsendern" mit härtesten Strafen geahndet wurden, trat es in Erscheinung. Mehrere Zehntausend Menschen verurteilte dieses Gericht zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen, in mindestens 181 Fällen sprach es Todesurteile aus. Das Dortmunder Gerichtsgefängnis, im Volksmund "Lübecker Hof" genannt, war zeitweise eine der zentralen Hinrichtungsstätten des Dritten Reiches, nachdem dort 1943 eine Guillotine aufgestellt worden war, um die bis dato für Dortmund zuständige Hinrichtungsstätte in Köln zu entlasten. Zwischen dem 2. Juli 1943 und dem 5. Januar 1945 wurden dort mehr als 300 Frauen und Männer hingerichtet. Es handelte sich bei ihnen oft um ausländische oder deutsche Widerstandskämpfer.

Gerichtsgefängnis "Lübecker Hof"
Gerichtsgefängnis "Lübecker Hof".

Rundschreiben vom 30. April 1943
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Rundschreiben vom 30. April 1943 über die Einrichtung einer Richtstätte in der Untersuchungshaftanstalt
"Lübecker Hof" in Dortmund.

Todesurteil gegen die 19jährige Hausangestellte Ilse M.
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Todesurteil gegen die 19jährige Hausangestellte Ilse M. Sie hatte
bei Lösch- und Rettungsarbeiten die Wäschestücke ihrer Dienstherrschaft an sich genommen. Am 12. Mai 1944
wurde Ilse M. enthauptet.
Die verantwortlichen Juristen hatten, wenn sie sich nicht wie der Oberstaatsanwalt am Dortmunder Sondergericht, Arnold Reese, selbst töteten, gute Chancen, in der jungen Bundesrepublik wieder in den Justizdienst zu gelangen. Der Anteil von ehemaligen Parteigenossen in der Justiz war 1950 wieder ebenso hoch wie 1944. Es konnte passieren, dass das Wiedergutmachungsverfahren eines jüdischen Bürgers vor dem gleichen Richter stattfand, der dessen Besitz 1938 "zwangsarisiert" hatte.
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