Im Jahre 1933 lebten etwa 4.200 jüdische Bürger in Dortmund, viele von ihnen gehörten als Ärzte, Geschäftsleute oder Juristen der Mittelschicht an, es waren jedoch auch zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende vertreten. Die jüdischen Gemeinden verfügten in Dortmund über drei Synagogen: die große Synagoge in der Innenstadt, die im Erbauungsjahr 1900 als Bereicherung des Stadtbildes gefeiert worden war, sowie zwei weitere in Hörde und Dorstfeld.

Dortmunder Synagoge in der Innenstadt, 1900
Da Dortmund als Arbeiterstadt relativ resistent gegen den Nationalsozialismus erschien, wie auch die im Vergleich zum Reichsdurchschnitt geringe Stimmenzahl für die NSDAP zeigt, und die Integration der jüdischen Bevölkerung bislang ohne Probleme funktioniert hatte, schätzten die Dortmunder Juden den aufkommenden Nationalsozialismus nicht als existentielle Bedrohung ein.

Schülermannschaft des VfB Alemannia Dortmund, 1928. Moshe Bramberger, hier als Torwart der Schülermannschaft des VfB, durfte ab 1933 nicht mehr mit seinen deutschen Freunden im Verein Fußball spielen. Er wanderte später nach Israel aus.
Zwar war es bereits während der Wirtschaftskrise zu Benachteiligungen der jüdischen Bürger gekommen, der Prozess der Diskriminierung und Ausgrenzung begann mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten jedoch relativ schlagartig. Auch in Dortmund kam es in den ersten Monaten der NS-Herrschaft zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen gegen den jüdischen Bevölkerungsteil; auch in Dortmund wurden die jüdischen Geschäfte am 1. April 1933 von SA-Männern blockiert und mit antisemitischen Hetzparolen beschmiert; auch in Dortmund wurden auf der Grundlage des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" und dessen Nachfolgegesetzen jüdische Beamte, Ärzte, Rechtsanwälte und Angestellte aus dem Berufsleben verdrängt und somit ihrer Existenzgrundlage beraubt; auch in Dortmund galten die "Nürnberger Gesetze" von 1935, die Juden zu Bürgern zweiter Klasse herabstuften; auch in Dortmund begann man 1937 mit der "Zwangsarisierung" der Wirtschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ein Drittel der Dortmunder Juden den schweren Entschluss gefasst, der nun feindlich gewordenen Heimat den Rücken zu kehren und zu emigrieren.

Boykott-Aufruf der Nazis gegen jüdische Geschäfte am 1. April 1933
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 Antisemitisches Schild in Dortmund-Schüren
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Diejenigen, die in Dortmund geblieben waren, erfasste 1938 die Verfolgungswelle mit einer noch gesteigerten Wucht. Zunächst wurden die sogenannten Ostjuden, d.h. Juden, die nicht im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft waren, nach Polen deportiert. Vermutlich als Reaktion auf die Abschiebung seiner Angehörigen ermordete der junge Jude Herschel Grynspan einen deutschen Diplomaten in Paris. Von den Nationalsozialisten wurde das Attentat zum Vorwand genommen, um am 9. und 10. November einen reichsweiten Pogrom zu inszenieren. Synagogen wurden abgebrannt, jüdische Geschäfte und Wohnungen geplündert und demoliert, jüdische Bürger misshandelt und zum Teil umgebracht.
 Zerstörtes jüdisches Geschäft
 Abbrucharbeiten an der Dortmunder Synagoge, Herbst 1938
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Die Dortmunder Synagoge konnte nicht mehr abgebrannt werden, sie hatte man schon zuvor als "Schandfleck" gekennzeichnet, unter einem Vorwand beschlagnahmt und im Oktober 1938 mit den Abbrucharbeiten begonnen. Aber die übrigen Synagogen und Beträume wurden zerstört.
Im Anschluss an den von den Nationalsozialisten euphemistisch als "Reichskristallnacht" bezeichneten Novemberpogrom wurde die systematische Ausplünderung der deutschen Juden forciert. Zunächst wurde ihnen eine "Wiedergutmachungsabgabe" für während des Pogroms entstandene Schäden in Milliardenhöhe auferlegt, anschließend die Bestimmungen für die Auswanderung von Juden so geregelt, dass diese ihres gesamten Vermögens beraubt wurden, bevor sie ausreisen konnten.
Mit dem Beginn des Weltkrieges nahm die schrittweise Vernichtung des europäischen Judentums ihren Lauf. Deutsche Juden, die seit 1941 den gelben Davidstern zu tragen hatten, wurden in "Judenhäusern" zusammengefasst. Nach der sogenannten "Wannsee-Konferenz" vom 20. Januar 1942, bei der die Spitzen der deutschen Verwaltung die Organisation der Vernichtung von 11 Millionen Juden in Europa festgelegt hatten, wurden sie in Ghettos in Polen und den besetzten Gebieten der Sowjetunion deportiert. Die dort ansässigen Juden waren bereits seit dem deutschen Einmarsch dort eingepfercht worden. Schon nach dem Angriff auf die UdSSR waren große Mordaktionen im rückwärtigen Heeresgebiet angelaufen, in deren Verlauf Einsatzkommandos aus SS-, SD- und Polizeiverbänden Hunderttausende Menschen, in erster Linie Juden, erschossen.
 Deportation von Dortmunder Juden
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Ähnliche Einsätze wurden in den Jahren 1942 und 1943 in Polen durchgeführt, auch hier ging die Opferzahl in die Hunderttausende. Das Dortmunder Polizeibataillon 61, das seinen Heimatstandort in Wellinghofen hatte, nahm an derartigen Aktionen "erfolgreich" teil. Nach den unvorstellbaren Leiden, die das Leben im Ghetto kennzeichneten, folgte in den meisten Fällen die Weiterleitung in die Vernichtungslager.

Sammlung von Dortmunder Juden zur Deportation auf dem Platz des Turnvereins "Eintracht"
Mindestens 2.200 Dortmunder Juden kamen in den Ghettos und Konzentrationslagern ums Leben. Insgesamt kostete der industrielle Massenmord, den Deutsche an Juden verübten, mindestens 6 Millionen Menschenleben. Die jüdische Gemeinde in Dortmund wurde im August 1945 mit 40 bis 50 Mitgliedern neu gegründet. |