Seit ihrer Eröffnung ist die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache Dortmund zu einem Lern- und Gedenkort von zum Teil überregionaler Bedeutung geworden. Kernstück der Steinwache ist die ständige Ausstellung "Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 - 1945", die von Schulklassen aller Altersstufen und Schulformen, Polizeiausbildungsinstituten, Bundeswehreinheiten, Zivildienstschulen, Universitätsseminaren, ausländischen Besuchern und einer Vielzahl anderer gesellschaftlicher Gruppen frequentiert wird. Um den verschiedenen Bedürfnissen der Besuchergruppen gerecht zu werden, muss eine zeitgemäße Gedenkstättenpädagogik ihre eigenen Vermittlungswege und Ziele ständig überprüfen, damit sie nicht in einem formalen Erinnerungsritual verharrt. Wichtigstes Ziel der gedenkstättenpädagogischen Arbeit ist es, durch die Sensibilisierung für die Inhalte der lokalen Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich Einsicht in die Ursprünge und Auswirkungen des Nationalsozialismus zu vermitteln, zu selbständiger weiterer Beschäftigung mit dieser Vergangenheit anzuleiten und so letztlich zur Wahrung der demokratischen Grundordnung beizutragen. Es soll für jeden Besucher deutlich werden, dass die NS-Schreckensherrschaft sich nicht auf die Konzentrationslager beschränkt, sondern überall in Deutschland, auch in Dortmund, praktisch "vor der eigenen Wohnungstür" stattgefunden hat.
Führungen durch die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Für den interessierten Besucher werden kostenlose Gruppenführungen ab 15 Personen angeboten (Dauer: 1 ½ bis 2 Stunden). Da die umfangreiche Ausstellung eine Vielzahl unterschiedlichster Themen behandelt, werden vor jedem Gedenkstättenbesuch Schwerpunkte abgesprochen, die sich nach den Interessen der jeweiligen Besuchergruppe richten. Die Erfahrung zeigt, dass eine intensive Vor- und Nachbereitung, in die auch die Gedenkstättenmitarbeiter(innen) miteinbezogen werden, besonders zum Erfolg der gruppenindividuellen politisch-historischen Bildung beitragen. Jedwede Kritik ist nach Führungen erwünscht, um das Programm der Steinwache weiter zu verbessern. Bei Führungen präsentiert sich die Steinwache als multifunktionaler Lernort. Der Besucher, der durch die Gedenkstätte geführt wird, soll erkennen, dass sie ein Ort der Trauer, des Gedenkens und Mahnens, aber auch ein Ort der Begegnung und des vertiefenden Lernens ist. Da eine Führung allerdings selten mehr als einen Einblick in den Kontext lokalgeschichtlicher Thematik vermitteln kann, werden darüber hinaus vertiefende, gedenkstättenpädagogische Gruppenprogramme angeboten.
Regelmäßig werden zusätzlich an jedem 1. Sonntag eines Monats um 11 Uhr allgemeine Führungen für Interessierte angeboten.
Schulpädagogisches Programm für die Jahrgangsstufen 7 / 8
Das kostenlose schulpädagogische Programm mit Schülerarbeitsbogen wird seit März 1993 angeboten. Es entspricht einer Unterrichtseinheit von drei Stunden in der Steinwache und umfasst eine Führung nach einem zuvor abgeklärten Schwerpunkt als Einführung in die Thematik, eine Arbeitsphase in Kleingruppen sowie eine Abschlussbesprechung im Gruppenarbeitsraum. Auf Wunsch kann eine ergänzende Filmdokumentation gezeigt werden, die anhand der in der Steinwache erhältlichen Videoliste im Vorfeld gezielt ausgewählt werden kann. Eine intensive Vor- und Nachbereitung ist hier besonders zu empfehlen.
Folgende Themen stehen zur Zeit zur Auswahl:
- Die Machtergreifung in Dortmund
- Judenverfolgung in Dortmund
- Täter im Nationalsozialismus und Widerstandsgruppen in Dortmund
Projekttage in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Seit Anfang 1997 werden mit wachsendem Erfolg Projekttage in der Steinwache durchgeführt. Diese vier- bis fünfstündigen Veranstaltungen werden den Ansprüchen eines vertiefenden Lernens an einem authentischen Ort weitgehend gerecht. Sie werden zu jedem der 49 Schwerpunkte der Ausstellung, aber auch zu aktuellen Anlässen, wie etwa der Diskussion um die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944", angeboten. Ein Projekttag besteht aus einer eingehenden Führung durch die Gedenkstätte, der Vorführung einer Videodokumentation, Gruppenarbeit mit Fragebogen für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik sowie einer ausführlichen Diskussions- und Fragerunde. Gruppen ab 15 Personen können an diesem Angebot teilnehmen. Die während der Gruppenarbeitszeit eingesetzten Fragebögen werden im Vorfeld der Veranstaltung individuell auf die verschiedenen Gruppen abgestimmt und erarbeitet. Auf Wunsch können auch einige Programmpunkte ergänzt oder fallengelassen werden.
Veranstaltungsthemen können etwa sein:
- Täter im NS-Staat - Polizei und Gestapo in der Steinwache
- Widerstandsgruppen in Dortmund
- "Euthanasie" im NS-Staat
- Judenverfolgung in Dortmund
- Zwischen Anpassung und Nonkonformität - Jugendopposition gegen Hitler
- Die Rolle der Wehrmacht im NS-Staat
Praktika in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
In begrenztem Umfang wird Studentinnen und Studenten die Möglichkeit gegeben, Praktika in der Steinwache zu absolvieren, um Einblicke in die Arbeit einer Mahn- und Gedenkstätte zu erhalten. Neben der Teilnahme am gedenkstättenpädagogischen Programm können Erfahrungen in den bei der Betreuung einer Mahn- und Gedenkstätte anfallenden Aufgaben wie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder Konzeptionierung und Organisation von Sonderveranstaltungen gesammelt werden. Auch kleinere Forschungsaufträge können während eines Praktikums übernommen werden. Dauer und Zeitraum eines Praktikums werden nach Absprache festgelegt. Bewerbungsunterlagen (tabellarischer Lebenslauf mit Lichtbild, Zeugniskopien sowie Kopien der bereits abgelegten universitären Prüfungen und Leistungsnachweise) können – bitte vollständig - unter folgender Adresse nach Möglichkeit 6 Monate vor dem gewünschten Beginn des Praktikums eingesandt werden:
Dr. Günther Högl
Stadtarchiv Dortmund
Märkische Str. 14
44122 Dortmund
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