Dorsten - Jüdisches Museum Westfalen
Beschreibung
   

Museumsneubau
Das Jüdische Museum Westfalen in Dorsten nahm im Juni 1992 seine Tätigkeit auf. Es ist eine private Einrichtung, getragen vom Verein für jüdische Geschichte und Religion e.V. und der Stiftung Jüdisches Museum Westfalen. Der Trägerverein ist verantwortlich für die inhaltliche Arbeit des Museums und des Lehrhauses, die Stiftung sorgt für die finanzielle Basis.

Seit August 2001 präsentiert sich das Museum in neuen Räumen. In diesen finden die Besucher die zweiteilige Dauerausstellung. Sie verknüpft die jüdische Geschichte Westfalens und die jüdische Religion. Das Museum ermöglicht seinen Besucherinnen und Besuchern, jüdische Geschichte und Kultur regional verankert kennen zu lernen sowie sich mit der Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens in Deutschland auseinander zu setzen.

Synagogenmodell
Synagogenmodell
Die Dauerausstellung besteht aus den beiden Abteilungen “Jüdische Religion und Kultur” und "Jüdische Lebenswege in Westfalen". Die erste Abteilung gliedert sich in vier Bereiche: Der erste Bereich umfasst die Themen "Tora – Synagoge – Gemeinde". Zentrum jüdischen Lebens ist die Tora. Sie enthält die auf einer Rolle niedergeschriebenen fünf Bücher Moses. Ihr Aufbewahrungsort ist die Synagoge als Haus des Gebets und der Zusammenkunft der Gemeinde.

Der zweite Bereich zum Thema "Haus – Familie – Individuum" zeigt jüdisches Leben in seinem Bezug zur Tora, aber auch seinen gesellschaftlichen Wandel unter dem Einfluss sich ändernder gesellschaftlicher Bedingungen.

Der dritte Bereich "Jüdisches Leben in Westfalen – Vernichtung und Neufang" weist auf die Bedrohung jüdischen Lebens während der NS-Zeit hin, die in Entrechtung und Zerstörung endete. Trotz der Erfahrungen der Shoa wagten einige Überlebende nach 1945 einen Neuanfang in Deutschland.

Blick
Blick in die Ausstellung
Der vierte Bereich "Neues jüdisches Leben in Westfalen" zeigt anhand von SW-Großfotos aktuelles Gemeindeleben. Der in Dortmund lebende Fotograf Dirk Vogel hat seit 1996 persönlichen Kontakt zu jüdischen Gemeinden. Dies ermöglicht ihm, bei besonderen Anlässen wie Altennachmittagen, Purimfesten und Familienfeiern zu fotografieren. Weitere Fotos entstanden bei Chanukkafeiern, bei Gottesdiensten des egalitären Ruhrminjan und anderen offziellen und privaten Aktivitäten. Dirk Vogels Aufnahmen zeigen Menschen, die in Westfalen ihre neue jüdische Heimat gefunden haben.

Die Geschichte der Juden in Westfalen wird in der Abteilung "Jüdische Lebenswege in Westfalen" an Hand von 14 beispielhaften Lebenswegen vom Mittelalter bis in die Gegenwart dargestellt. Die Lebenswege dieser Männer und Frauen - Kaufleute, Pädagogen, Künstler, Rabbiner, Politiker, Fußballer und andere - illustrieren das Zusammenleben von jüdischen und nichtjüdischen Deutschen in Westfalen in schwierigen und weniger schwierigen Zeiten.

Die Ausstellung beginnt mit einem Teil des 1951 in Münster entdeckten mittelalterlichen Münzschatzes, erzählt anlässlich des "Lembecker Kassibers" eine Geschichte von Recht und Rechtlosigkeit der Juden, erinnert an den Münsteraner Bildungspionier Alexander Haindorf im 19. Jahrhundert, präsentiert wichtige Arbeiten des Bildhauers Benno Elkan aus Dortmund. Der Aufstieg vieler Landjuden in das städtische Bürgertum wird ebenso geschildert wie die bewegte Weimarer Zeit und der "Ausnahmezustand" des Nationalsozialismus: Erfahrungen der Diskriminierung und der Lager kommen zur Sprache wie solche des Exils, der Rettung und des Neuanfangs nach 1945. Die Ausstellung endet mit Zeugnissen der Politikerin Jeanette Wolff aus Bocholt und des Marler Textilkaufmanns Rolf Abrahamsohn, der bis in die Gegenwart eine wichtige Rolle für die Auseinandersetzung mit der Geschichte und die deutsch-israelische Freund schaft spielt.

"Jüdische Lebenswege in Westfalen" zeigt nicht nur die Krisen und Katastrophen der deutsch-jüdischen Geschichte, sondern auch deren andere Seiten: gute Nachbarschaft und wechselseitige Bereicherung. Die Entscheidung gegen eine umfängliche historische Chronik und für den Zugang über Lebenswege hat einen gewichtigen Vorzug: Die Besucher lernen vor allem die eigenen Sichtweisen der geschichtlichen (und auch der noch lebenden) Persönlichkeiten kennen.

Blick in die Ausstellung Blick in die Ausstellung
Einblicke in die Dauerausstellung "Jüdische Lebenswege in Westfalen"

Im renovierten Altbau finden die jeweiligen Sonderausstellungen statt. Darüber hinaus steht interessierten Besuchern eine Präsenzbibliothek mit ca. 5000 Bänden zur Verfügung. Im Foyer des Museums gibt es eine gut sortierte kleine Filiale der bekannten Literaturhandlung von Dr. Rachel Salamander aus München.
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