Gedenkstätte Bonn
Die Jovy-Gruppe - ein Beispiel für Widerstand
   
Vor 1933 gab es eine Vielzahl von konfessionellen, politischen und bündischen Jugendgruppen, die nach der "Machtergreifung" nach und nach gleichgeschaltet oder verboten wurden. Die neuen Machthaber waren bestrebt, eine einheitliche deutsche Staatsjugend, die Hitlerjugend (HJ) und den Bund Deutscher Mädel (BDM), aufzubauen. Der Eintritt in die HJ und den BDM wurde zur Pflicht, die Erziehung der jungen Leute geriet unter staatliche Kontrolle.

Die Reaktion der Jugendlichen war sehr unterschiedlich. Je mehr HJ und BDM den Pflicht- und Zwangscharakter betonten, desto häufiger äußerte sich Kritik. Einzelne Jugendliche distanzierten sich mit der Zeit von den staatlichen Jugendorganisationen und bildeten illegale Gruppen.

Jovy-Gruppe beim Ausflug in den Kottenforst, 1937

Heimabend im Haus Jovy
oben: Heimabend im Haus Jovy in der Koblenzer Str. 212, 1936/ 1937

links: Jovy-Gruppe beim Ausflug in den Kottenforst, 1937

Um den aus der HJ gedrängten Jugendführer Günter Platz scharten sich einige Jugendliche. Sie gehörten durchaus der Hitlerjugend an, aber die nach Wohnblöcken organisierten HJ-Gruppen ließen tiefergehende Freundschaften kaum zu. Die Gruppe um Günter Platz wuchs zusammen. Sie gestalteten ihre Freizeit selbstbestimmt, gingen auf "Fahrt", zelteten in der freien Natur und veranstalteten Singabende. Obwohl diese bündischen Umtriebe verboten waren, ging die Gruppe dieses Risiko ein.

1937 bis 1939 folgten einige Auslandsfahrten. In Frankreich lernten sie deutsche Emigranten um Karl Otto Paetel kennen, eine bekannte Persönlichkeit der Jugendbewegung. Tagsüber trieben die Jugendlichen Sport, am Abend kam es zu politischen Diskussionen. Besonders Michael Jovy, Edgar Lohner und Helmut Giesen ließen sich von den politischen Argumenten gegen das "Dritte Reich" überzeugen. Für sie wurde die Ablehnung des Nationalsozialismus aus politischen Gründen immer wichtiger.

Gemütliches Beisammensein
Gemütliches Beisammensein:
(v. l. n. r.) Sulamith und Judith Siliava, Günter Platz und Edgar Lohner, Südfrankfreich 1938

Jovy-Gruppe in Kluft auf dem Gipfel des Titlis
Jovy-Gruppe in Kluft auf dem Gipfel des Titlis (Schweiz): (v. l. n. r.) Günther Platz, Michael Jovy, H. Me., Robert Jovy, Helmut Giesen, K. Mn., 1938

Zurück in Bonn befolgte die Gruppe den Rat Paetels und kam zu Schulungsabenden zusammen, um z.B. auch Hitlers Buch "Mein Kampf" zu lesen. Im Frühjahr 1939 fiel die Gruppe der Polizei während eines Auftritts der Don-Kosaken auf. Ihre Tätigkeiten wurden beobachtet.

Urteil des Volksgerichtshofs, 1941
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Urteil des Volksgerichtshofs, 1941

Im Winter 1939/40 wurde die Gruppe verhaftet und vor dem Volksgerichtshof in Berlin wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" angeklagt. Der Hauptangeklagte Michael Jovy wurde 1941 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.

Tonsequenz abspielen Robert Jovy über die politische Arbeit der Gruppe, 1986
2:55 min / 2.7 mb
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